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Luftbild 1944


Luftaufnahme vermutlich August 1944 (Quelle: Erich Mulzer: Bild und Erinnerung. Nürnberger Luftaufnahmen 1944, Nürnberg 1995)
Sperberschulhaus

Die repräsentative Anlage mit den beiden vorgelagerten Turnhallen und dem dahinter von zwei Seitenflügeln eingerahmten Hof wirkt in ihrer großzügigen, unverschnörkelten Gestaltung schon sehr modern. Auf dem Bild ist allerdings die Symmetrie durch den abgebrannten linken Dachteil mit dem zweiten Türmchen (1)gestört. Dieser Schaden stammt schon vom 28./29. August 1942 und ist durch ein Notdach vorläufig behoben. Weitere Bombentreffer findet man in der Häuserzeile links oberhalb des Schulhauses (2), etwas weiter rechts in der senkrecht dazu verlaufenden Häuserreihe und besonders deutlich in der siedlungsartigen Bebauung nahe dem rechten Bildrand: Dort ist in der untersten Zeile statt eines Hauses ein Bombentrichter (3) vom 8./9. März 1943 zu sehen. Die total aufgerissene Fassade (4) in der Mitte des unteren Bildrands gehr dagegen wohl auf die gewaltige Druckwelle einer Luftmine zurück.

Den damals dort Wohnenden wird die allmähliche Summierung von Schäden sicher ihre zukünftige Bedrohung beklemmend vor Augen geführt haben: Wer wird der nächste sein? Andererseits kann man vom heutigen ungefährdeten Standpunkt aus auch erkennen, dass bei der Größe des bebauten Stadtgebiets solche verstreuten Einschläge fast nur Nadelstiche sein konnten. Für die Betroffenen allerdings oft genug: todbringende Nadelstiche.

Ganz unversehrt scheint noch der riesige Komplex der damaligen SS-Kaserne (5) (rechts oben) geblieben zu sein. Davor führt die breite, schon im Parteitagsformat angelegte Straße (6) zur halbfertigen Kongresshalle (7) (ganz oben links). Die teilweise Entfernung ihrer Baugerüste ist bewusste Tarnung: Durch das fleckige Aussehen soll der Bau nicht so deutlich als Orientierungspunkt hervortreten. 

Unterhalb von ihm fallen zwei weiße, oben etwas eingezogene Gebilde auf: Es sind die Reste der ehemaligen Maschinenhalle der Landes-Jubiläums-Ausstellung 1906, die nach entsprechendem Umbau bei den sechs Reichsparteitagen 1933 bis 1938 als vorläufige Kongresshalle (8) benutzt wurde. Ihre Eisenkonstruktion brannte bereits beim ersten großen Angriff am 28./29. August 1942 so vollständig ab, dass nur die zwei massiven Stirnseiten stehen blieben. Die vier Stangen links davon sind die 34 Meter hohen Fahnenmasten (9) auf der Haupttribüne der Luitpoldarena, während die zweite fertiggestellte Aufmarschstätte, das Zeppelinfeld (13), gerade noch über dem Kongresshallen-Neubau zu erkennen ist.

Ganz im Gegensatz zu diesem tiefgreifend veränderten Stadtbild ist im Vordergrund die Zeit stehengeblieben: Links vom Sperberschulhaus liegt hinter alten Parkbäumen das Schloss Hummelstein (10), eines der vielen liebenswerten ,,Sommersitzlein" rund um das reichs-städtische Nürnberg. Es wurde erst 1706, also mitten in der Barockzeit, noch in der traditionellen Turmform mit spitzen Eck-Erkern erbaut und diente in der Folge Ärzten, Advokaten und Pfarrern zum zeitweiligen Aufenthalt, bis es 1925 die Stadt erwarb. Sie benützte später den rechten Teil des Geländes als Schulgarten (11)(heute: Umweltpädagogisches Zentrum) und machte den Park als Grünanlage öffentlich zugänglich. In seinem obersten Teil, der schon in Kleingärten aufgeteilt war zeigt das Bild noch das alte ,,Vogelherd-Häuslein" (12), in dem damals das Jungvolk-Fähnlein 66 (früher 45) aus Galgenhof seine Heimabende hielt. Heute ist dieses interessante Kleingebäude längst der Nachkriegs-Gleichgültigkeit zum Opfer gefallen.

(Quelle: Erich Mulzer: Bild und Erinnerung. Nürnberger Luftaufnahmen 1944, Nürnberg 1995, S. 80)

Die Sperberschule ist zertifizierter Projektpartner der Musikpädagogik an der Universität Erlangen-Nürnberg.

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