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Stinke-Kraut 1991

Nürnberger Nachrichten, Südost-Anzeiger vom 13.06.1991

Das Stinke-Kraut blüht im Haribo-Beet

Durch die Vorstadt-Brille

Was war das für ein Gestreite und Gezerre, das die Stadt vor ein paar Jahren den alten Schulgarten an der Sperberstraße in ein "Schulbiologiezentrum" umzuwandeln begann. Wege wurden aufgerissen, Ziersträucher abgehackt, ja ganze Bäume verschwanden - viele Spaziergänger sahen sich ihres Lieblingsparks beraubt. Das Schulamt tat sich schwer, zu erklären, dass in einem Öko-Garten exotische Gewächse stören und dass ein Beet, in dem Kinder werkeln, eben anders aussieht als Opas saubere Kleingartenkolonie.

Inzwischen haben sich die Gemüter beruhigt. Im Schulbiologiezentrum - trotz seines unsäglichen Namens immer noch eine grüne Oase in der Südstadt - sind einheimische Sträucher nachgewachsen, die Narben des Umbaus sind geheilt und im Teich quaken glücklich die Frösche. Es duftet und blüht, Städter, was willst du mehr.

In all den Hügelbeeten, Kräuterspiralen, im phonologischen wie im Klostergarten schaut es auch ganz so aus, als würden die Schülerinnen und Schüler fleißig dran gießen, jäten und ernten. Nur am Südstädter, der leise jammert, hier kein Beet bekommen zu haben, geht der pädagogische Auftrag des Bio-Projekts voll vorbei. Sein Lernwille wird schon am Eingang zum Garten gebremst, ist doch auf der arg verwitterten Tafel (Pappe hinter Plexiglas) kaum noch was zu lesen.

Auch den Übersichtsplan bringt der Flaneur kaum in Einklang mit den real existierenden Beeten. Was schade ist, droht der Unkundige so doch den Bauerngarten für eine schlichte Möhrenreihe und das Vererbungsbeet für eine buntgefächerte Fleißiges-Lieschen-Parzelle zu halten.

Studiert der Gartenfreund gar die einzelnen Pflanzen, so muss er schon sein eigenes Bestimmungsbuch mitbringen. Irgendwelche Beschriftungen von Rittersporn, Hahnenfuß oder Nachtviole gibt's nämlich im Lehrgarten nicht.

Der Quiz-Charakter unseres Ausflugs endet erst da, wo die Bio-Zentralisten nicht hinkamen: im unveränderten hinteren Teil des Parks am Hummelsteiner Schloss sind Kastanie und Holunder noch mit schönen Emailleschildern gekennzeichnet.

Wer diese Sprachlosigkeit im Schulgarten nicht versteht, dem erklärt der städtische Schulamtschef Manfred Schreiner, dass dieses Namenbestimmen und Auswendiglernen bei der heutigen Schülergeneration nicht mehr gefragt sei. Folgerichtig weist auch eine kleine Broschüre des Amts, die Schreiner auf Anregung des Anzeigers künftig auslegen will, darauf hin, dass die Junggärtner im Schulgarten erst einmal Phantasienamen erfinden.

Je nach "Dufterlebnis" nennen sie den Salbei dann "Stinkekraut" und die Pfefferminze "Kaugummipflanze". Na also, was muss da ein Erwachsener noch seine Nase ins Haribo- oder Sprite-Beet stecken?

Die Sperberschule ist zertifizierter Projektpartner der Musikpädagogik an der Universität Erlangen-Nürnberg.

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